Hinweis: es gibt jetzt eine neue Bildergalerie mit Fotos keltischer Trachten. Unbedingt reinschauen. Allgemeines zur Gewandung im keltischen und mittelalterlichen Europa findet Ihr hier.
Die Kelten, ein Konglomerat indoeuropäischer Volksstämme, die von den Griechen Keltoi, und den Römern Celtae oder auch Galli genannt wurden, besiedelten in Mitteleuropa Ostfrankreich, die Rheingegend, Südwestdeutschland, die Schweiz und Österreich. Ihre großen Wanderungen begannen sie im Jahrtausend vor Christus. Sie siedelten vor allem in Österreich (Noriker, Boier, Alauni, Taurisker, u. a.), in Frankreich (Gallier, z. B. Averner,), in Belgien (Belgae, u. a.), in Italien (u. a. Boier, Insubrer, Senonen, u. a.), in der Schweiz und Südwestdeutschland (Helvetier, Videliker, Briganten, u. a.), in Spanien (Keltiberier) und Kleinasien (Galater),
sowie auf den britischen Inseln (brit. Stämme, z. B. Iceni, Ordovicer, Silurer (Wales) und Einwanderer vom Festland, z. B. Belgae, Parisii, Briganten, u. a.), und Irland (Gälen) .
Bild rechts: ein Tempel der Isis-Noreia (Österreich)
Die Hoch-Zeit der Kelten begann nach ca. 800 BCE und dauerte je nach Region bis ca. 200 BCE (Iberien), ca. 50 BCE (Gallien, Belgien), 15 - 43 BCE (Norikum/Donaustämme, Österreich) und ca. 43 BCE (Britannien). Nach ihren bedeutenden Fundorten nennt man die Periode von ca. 800 - 450 BCE Hallstattzeit und von ca. 450 - 15 BCE La-Tène-Zeit. Die großen Wanderungen der Kelten begannen in der Mittleren Eisenzeit, also etwa um 500 v. Chr. - 450 v. Chr. zu Beginn der La-Tène-Zeit.

Die Kelten lebten in einer patriarchalen Gesellschaft, die größententeils feudal strukturiert war. Dem Herrscher standen Berater zur Seite, die eine druidische Ausbildung hatten (P. Berresford-Ellis). Es folgte die Priester- bzw. Druidenklasse und unter dieser stand der Adel und die Klasse der Ritter, gefolgt von den Handwerkern und den freien Bauern. Die unterste Stufe der sozialen Leiter nahmen die Unfreien und Sklaven ein. Allerdings berichtet Caesar auch von "Republiken" und einem "Senat" bei den gallischen Stämmen. Hier war das Königtum im 1. Jh. BCE also bereits abgeschafft.
Die Stellung der Frau war mit Sicherheit besser, als die der Frauen in Rom und Griechenland, doch keinesfalls kann man sie als gleichberechtigt im heutigen Sinn bezeichnen.
Bild rechts: keltischer Schmuck (Noricum)
Die Kelten waren hervorragende Ackerbauern, Viehzüchter und Eisenschmieder. Sie erfanden den Eisenbergbau. Als keltische Errungenschaft gelten auch die dem Schottenmuster ähnelnden karierten Stoffe, die Pferdeschwanzfrisur bei Männern und die Seife. Pferde wurden sehr geschätzt und früher hieß es, daß sie als Reitervolk die Hose erfunden haben sollen. Außerdem waren sie geschickt in der Herstellung von Tongefäßen. Ihre Keramik können wir heute in Museen bewundern. Sie prägten schon um 300 BCE Geldmünzen und waren begandete Fein- und Goldschmiede. Viele keltische Erfindungen wurden von den Römern übernommen; so z. B. das röm. Kurzschwert, der Gladius (kelt. Kladijo), der eiserne Pflug, das Kettenhemd, der Sagum (ein Wollmantel), u. v. m.. Insbesonders das norische Eisen war bei den Römern sehr begehrt. Außerdem waren sie erfahrene Bergleute und betrieben zahlreiche Salz- und Goldminen.

Zwischen ca. 200 BCE (Iberien) und 43 CE (Britannien) unterwarf Rom Schritt für Schritt alle keltischen Siedlungsgebiete. Die keltische Kultur vermischte sich mit der römischen und es entstand die eigenständige, sogenannte kelto-romanische Kultur (oft auch gallo-römische Kultur genannt). Eine nicht geringe Zahl der Kelten führte jedoch noch zu Beginn des Mittelalters ein einständiges, keltisch-kulturelles Leben.
Durch die angelsächsische Eroberung Englands wurden die Briten nach Westen gedrängt, zu Beginn des 6. Jahrhunderts entgültig besiegt und zum Verlassen ihres Landes gezwungen.
Ein Teil ging in den örtlichen Stämmen von Wales und Cornwall auf, andere siedelten sich auf dem Kontinent in der Bretagne an, der sie auch den Namen gaben. Dort konvertierten sie zum Christentum, behielten aber ihre Sprache. In Irland bestand das Sozialsystem der irischen Stämme auch nach der Christianisierung und bis zur englischen Eroberung von 1172 weiter. Die Kirche war an dieses System angepasst und trug zu seiner Erhaltung auch in der Krisenzeit der Wikingereinfälle (9. bis 10. Jahrhundert) bei. Nach dem Zusammenbruch der Klans unter dem Druck des englischen Feudal- und Kirchensystems konnte die gälische Bevölkerung ihren ethnisch-sprachlichen Charakter bewahren. In Schottland errichteten die Gälen auf der Grundlage des Stammes-und Klanssystems ein Königreich. Die südlichen Teile absorbierten das Feudalsystem des anglo-normannischen England, während der kaledonische Norden weiter seine ursprüngliche Sozialstruktur bewahrte.
Bild rechts: Britannisches Paar (Peter Conolly)
Erhalten hat sich die gälische Sprache zum Teil noch in Wales, Schottland, Irland und in der französischen Bretagne.
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Quelle: Enzyklopädie des Mittelalters, Aryeh Grabois; Übersetzung von Michael Toch; M. Dillon-N. K., Die Kelten, 1966; Edition Atlantis, © Athenäum Verlag GmbH, Frankfurt, Jadu 2000. In Teilen ergänzt und modifiziert von Ruana.
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